Tony Vaccaro - A Life For Moments

9. August - 9. September 2018

©Tony Vaccaro
©Tony Vaccaro

Vom 9. August bis zum 9. September 2018 zeigt die Villa Schöningen die Ausstellung A Life for Momentsmit über 120 Fotografien des 95-jährigen New Yorker Fotografen Tony Vaccaro (*1922, Greensburg, USA). Vaccaro blickt auf eine jahrzehntelange Karriere als Fotograf zurück: Er dokumentierte den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Nachkriegszeit und arbeitete später für große Magazine, wie Life, Look und Flair. Seine Mode- und Porträtaufnahmen gingen um die Welt. Vaccaro ist einer der bedeutendsten Fotojournalisten im 20. Jahrhundert. Die Ausstellung von Tony Vaccaro ist die erste Fotografie-Ausstellung in der Villa Schöningen.

 

Anlässlich der Premiere des Dokumentarfilms „Ein Leben für den Augenblick - Die Bilder des Fotografen Tony Vaccaro“ findet am 2. September in der Villa Schöningen ein großes Sommerfest statt, bei dem der Film gezeigt und auch Tony Vaccaro anwesend sein wird. Am gleichen Tag wird der Film im rbb Fernsehen erstausgestrahlt (22.20 Uhr).

 

TONY VACCARO – A LIFE FOR MOMENTS. Ein Leben fixiert auf den entscheidenden, flüchtigen Moment, den es festzuhalten galt. Lebensnah, vertraut, intim. Zehntausende dieser fotografischen Augenblicke zählt sein Leben.

 

Es ist die Professionalität, die Haltung und das künstlerische Vermögen des Fotojournalisten, den authentischen und den magischen Moment gleichzeitig zu erfassen, der aus einem Foto eine einmalige, eindringliche Story macht. Ein aufmerksames, ein nach Geschichten hungriges Millionenpublikum hat auf sie gewartet, sie Monat für Monat in sich eingesogen. Mit Vaccaros Augen sah man Picasso, Max Ernst und Georgia O’Keeffe, Peggy Guggenheim, Grace Kelly und Sophia Loren, John F. Kennedy, Maria Callas und Frank Lloyd Wright.

 

Bilder von ungebrochener Wirkungskraft, Ikonen des Fotojournalismus, Momentaufnahmen ganzer Generationen, die heute, in der Zeit der schnellen Fotos, der Selfies, des Internets und seiner Flut an Informationen und Bildern, umso intensiver in ihrem eigenen Stil und Geist wirken. 

 

Vaccaros außergewöhnliche Karriere als Fotojournalist begann 1944 am Strand von Omaha Beach in der Normandie als Soldat der 83. Infanteriedivision. D-Day hieß für ihn: In der einen Hand ein M1-Sturmgewehr in der anderen seine Argus C-3 Kamera. Auf dem Weg quer durch Europa machte er tausende Fotos, eine einmalige Dokumentation des Lebens und Sterbens im II. Weltkrieg.Die Filme entwickelte er nachts, oft in geliehenen Helmen seiner Kameraden. Für seine erst in den 1990er Jahren in der Welt bekannt gewordenen Shots of Warwurde er unter anderem zum Ritter der Ehrenlegion in Frankreich ernannt und bekam in Deutschland das Bundesverdienstkreuz.

 

Bis 1949 blieb Vaccaro in Europa und fotografierte für The Stars and Stripes,die Zeitung der US-Army. Er wurde zum Chronist der Nachkriegszeit, insbesondere des zerstörten und langsam wieder Hoffnung schöpfenden Deutschlands. In seiner prägnanten Sicht auf die „Stunde Null“ dokumentierte er deutsche Kulturgeschichte bis zur Gründung der Bundesrepublik in all ihren Facetten. Seine Fotos, die er später in dem Buch Entering Germanyzusammenfasste, sind Bilder, die im Chaos der Zerstörung und des Umbruchs festhalten, was uns heute noch berührt: die Wahrheit des Augenblicks; das Leben in den Ruinen; die Annäherung zwischen Siegern und Verlierern, Besatzern und Besetzten.

 

Vaccaro verbrachte seine Kindheit in Italien.1922 in den USA geboren, lebte er von 1925-39 in der kleinen Gemeinde Bonefro. Hier kamen seine Eltern her. Immer wieder zog es Vaccaro nach dem Krieg in seine zweite Heimat. Es entstanden außergewöhnliche Fotos, La Mia Italia, ganz im Geist des Neorealismus. Die Bilder dokumentieren eine Zeit, in der es noch Maulesel für die Arbeit gab, und die Frauen das Wasser in Krügen nach Hause trugen. Die Armut und die Schwere des Lebens sind den meisten Menschen ins Gesicht geschrieben, aber auch Glück und Stolz.

 

Mit der Rückkehr in die USA startete Vaccaro in New York seine dritte Karriere, als Fashion- und Porträt-Fotograf. Drei Jahrzehnte füllten seine Foto-Storys die großen Glamour-Zeitschriften und Magazine. In den Fotos über die Twin Towers seiner Heimatstadt New York schließt sich für Vaccaro auch ein Kreis. Die ersten Aufnahmen entstanden schon in der Planungsphase des World Trade Centers, seine letzten Aufnahmen am 11. September 2001 als die Zwillingstürme in Flammen aufgingen. Über ein halbes Jahrhundert, nachdem er schon einmal den Krieg dokumentierte, hielt er wieder Bilder der Zerstörung fest. 

 

Tony Vaccaro wird beim großen Sommerfest am 2. September in der Villa Schöningenanwesend sein. Am gleichen Tag wird der Dokumentarfilm „Ein Leben für den Augenblick - Die Bilder des Fotografen Tony Vaccaro"  in der Villa Schöningengezeigt und um 22.20 Uhr im rbb Fernsehen erstausgestrahlt.

Daniel & Jürgen Ast