2010 ANSELM KIEFER - EUROPA

Unter dem Titel „Europa“ zeigt die Villa Schöningen in einem gemeinsamen Projekt mit der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn vom 2. Oktober 2010 bis zum 31. März 2011 acht großformatige Bilder von Anselm Kiefer sowie sechs vom Künstler gestaltete Bücher, die in den Jahren von 1994 bis 2010 entstanden sind. Der Künstler realisiert damit eine seiner raren Ausstellungspräsentationen in Deutschland und zeigt erstmalig öffentlich eine Werkreihe, die ganz dem Motiv der Kuh gewidmet ist. Kiefer greift hier ein Thema auf, das in der europäischen Kunstgeschichte seit Jahrhunderten relevant ist und Künstler von Tizian bis Warhol beschäftigt hat.

Die Villa Schöningen als historischer Ort der deutsch-deutschen Geschichte bietet den sinnfälligen Rahmen für Kiefers Werk. Es sei natürlich ein Zufall, sagt der Künstler, „dass diese Bilder nun an dieser mythologischen Brücke – der Brücke zwischen Berlin und Potsdam –, wo Europa sich weitergebildet hat, gezeigt werden. Aber es gibt keinen Zufall, und es stand schon geschrieben, dass die Kühe über diese Brücke kommen würden.“

Anselm Kiefers Kühe haben viele kulturhistorische, aber auch private Quellen: vom Hüten der Tiere in der Kindheit und Wanderungen in der Auvergne über die griechische Mythologie und römische Dichtung (insbesondere dem Mythos von Zeus und Europa) bis zum Gedankengut eines Pico della Mirandola, Francisco de Quevedo oder Robert Fludd.

Die Kuh wird in der indischen Kultur geheiligt, in der griechischen Mythologie und römischen Dichtung gehört sie zur dramatischen Personalriege, in den unterschiedlichsten Kulturen von Europa über Asien bis Afrika ist sie Symbol des Wohlstands. Die Kuh steht für Mutterschaft, sie bietet dem Menschen Nahrung und macht mit ihrem Dung die Erde fruchtbar. Bei Anselm Kiefer klingen all diese Bezüge an, aber er geht darüber hinaus, erweitert sie durch eine historische und kosmische Komponente.

Auch die Beziehung zwischen Pflanzen- und Sternenwelt, Mikrokosmos und Makrokosmos, mit denen sich Kiefer in seinem Werk immer wieder auseinandersetzt, klingt in den Bildern an: „Kühe, die Blumen fressen und sie als Sterne zurückgeben. Unendliche Transfigurationen“ ist die eindringliche Formel, auf die Kurator Heiner Bastian diese Idee bringt.

Die Ausstellung „Anselm Kiefer – Europa“ ist das erste gemeinsame Projekt der Villa Schöningen mit der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Die Initiatoren Mathias Döpfner (Mitinhaber Villa Schöningen) und Walter Smerling (Vorsitzender Stiftung für Kunst und Kultur e.V.) freuen sich über die Kooperation, die die Grundlage für eine künftige Ausstellungs-Achse Bonn-Berlin legen soll.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Schirmer & Mosel mit einer Einleitung von Heiner Bastian und einem Essay von Norman Rosenthal sowie Abbildungen aller Werke.